Sozialmanagement
Ziele der Arbeit der Jugendförderung Mörfelden-Walldorf 2011

Seit dem Jahr 2000 verständigt sich die Jugendförderung über die wesentlichen Ziele und damit die Ausrichtung des Angebotes im Rahmen eines Zielsystems mit Leitziel, Mittlerzielen und Handlungszielen. Die Entwicklung dieses Zielsystem wurde exemplarisch für die Angebote der Offenen Treffs der beiden Jugendzentren entwickelt. Seit 2004 wurden die bisher gemachten Erfahrungen nunmehr zur Ausweitung des Zielsystems auf das gesamte Angebot der Jugendförderung genutzt.

Qualitätsentwicklung/Organisationsentwicklung

Das Zielsystem der Jugendförderung zielt auf Wirkungen und Ergebnisse auf verschiedenen Ebenen.

- Qualität der Arbeit
Allen Beteiligten, die an den einzelnen Angeboten mitwirken oder sie verantworten, wird die Ausrichtung der angestrebten Ziele deutlich. Sie werden gemeinsam vereinbart und sind dann für alle verbindlich. Ziele und Ressourcenverbrauch werden benannt.

- Steuerung der beiden Jugendzentren
Zwischen der Leitung der Jugendförderung und den Geschäftsbereichen in beiden Jugendzentren sowie in den Bereichen Jobtreff, Kinder- und Jugendforum, Mediation und Streetwork werden Struktur, Umfang und Ausrichtung des Jugendförderungsangebotes steuerbar. Dies geschieht auf der Basis der Bedarfsermittlung, der Evaluationsergebnisse sowie im Rahmen der Entscheidungen der politischen Gremien. Insbesondere trifft dies auch für die Steuerung des Personaleinsatzes (Ressource Arbeitszeit) in der Jugendförderung zu.

- Evaluation
Durch die überprüfbare und nachvollziehbare Festlegung der angestrebten Ergebnisse pädagogischen Handeln (SMART-Prinzip) wird die Grundlage für eine Kontrolle der Erreichung der Ziele bzw. des Zielerreichungsgrades gelegt. Die Zielerreichung wird auf lokaler Ebene sowie im Gesamtteam reflektiert und dient dann der weiteren Planung und Konzipierung von Angeboten.

- Output/Outcome-Orientierung
Klassisches Verwaltungshandeln legt im Wesentlichen die Ressourcen fest, die in eine Maßnahme investiert werden (Input-Orientierung). Zielvereinbarungen nehmen darüber hinaus auch die angestrebten Wirkungen und Ergebnisse des pädagogischen Handelns in den Fokus (Outcome-Orientierung).

- Gemeinsame pädagogische Haltung
Über klare und schriftlich fixierte Zielvereinbarungen wird in den einzelnen Teams, insgesamt aber auch in der Gesamtjugendförderung, eine gemeinsame Haltung hinsichtlich der Ziele der Angebote sowie in der Haltung der MitarbeiterInnen erzielt (Dienstleistungsorientierung).

- Autonomie in der Durchführung
Sobald Ziele und benötigte Ressourcen für eine Maßnahme vereinbart sind und der Gesamtrahmen der Jugendförderung mit dem Dezernenten vereinbart ist, haben die verantwortlichen Mitarbeiter methodische und inhaltliche Autonomie in der Art und Weise der Durchführung.

- Transparenz Dokumentation
Zielvereinbarungen ermöglichen insbesondere in Verbindung mit durchgeführter Evaluation eine verbesserte Dokumentation der pädagogischen Leistungen der Jugendförderung und ihrer MitarbeiterInnen in der Fachöffentlichkeit und gegenüber den städtischen Gremien.

- Jährliche Aktualisierung
Der Wechsel der Interessen und Bedarfe unserer jugendlichen "Kunden" bringt es mit sich, dass jährlich überprüft wird, ob die Ziele des Vorjahres noch gültig sind oder einer Korrektur/Neujustierung bedürfen. Ergebnisse der Bedarfsermittlung sowie der Evaluation der durchgeführten Maßnahmen fließen in die Aktualisierung ein.

- Planungsgröße Arbeitszeit
Eine zentrale Planungsgröße ist die zur Verfügung stehende Arbeitszeit der pädagogischen MitarbeiterInnen (Arbeitszeitbudgets). Sie wird nunmehr für viele Handlungsziele jeweils aufgeführt und stützt sich auf die Erfassung der benötigten Arbeitszeit von durchgeführten Maßnahmen in den vergangenen Jahren. In der Gesamtsteuerung der Jugendförderung hat sich die Planung des pädagogischen Angebotes über Arbeitszeitbudgets zu einer wirkungsvollen und aussagekräftigen Planungsgröße entwickelt. Sie fokussiert die Jahresplanung auf den in der Jugendförderung "limitierenden" Faktor der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit.

- Geschlechtsspezifik
In den Vorjahren wurden Maßnahmen, die speziell der gezielten Förderung von Mädchen und Jungen in ihren Geschlechterrollen dienten als separate Handlungsziele formuliert. Seit 2004 wird vom Grundsatz ausgegangen, dass alle Angebote der Jugendförderung vor dem Hintergrund geschlechtsspezifischer Förderung zu behandeln sind (Gender-Orientierung). In den meisten Zielvereinbarungen finden sich seither Aussagen, wie der Genderaspekt bei der jeweiligen Maßnahme berücksichtigt wird.

Organisationsentwicklung

Zielvereinbarungen stellen so eine wesentlichen Teilschritt in einem Gesamtpaket des Jugendförderungsangebotes als kundenorientierte Dienstleistung für die jugendlichen BürgerInnen der Kommune dar:

Bedarfsermittlung Zielformulierung/Zielvereinbarung Budgetverantwortung Standards der Arbeit Evaluation Dokumentation.

Zu allen anderen Teilschritten sind in der Jugendförderung Prozessabläufe, Erhebungsinstrumente und Auswertungs- und Dokumentationsverfahren eingeführt. Flankiert wird dieses Paket von einer adäquaten Personal- und Organisationsentwicklung.

Prozesscharakter Aktueller Stand 2011

Die Zielvereinbarungen 2011 sind Ergebnis von Entwicklungen und Diskussionen in der Jugendförderung sowie im kommunalen Umfeld.

Seit 2008 wird im Bereich der Evaluation umgestellt von einer Bewertung unserer Angebote nach dem Schulnotensystem (mit seinen spezifischen Wertungen) auf ein 10-Punkte-System. Dementsprechend wurden die einzelnen Zielvereinbarungen umgestellt. In der Regel werden nun für eine "gute" Bewertung unseres Angebotes acht von zehn Punkten erwartet.

Ein Spezifikum in den Jahren 2010 und 2011 war und ist der Neubau des Jugend- und Kulturzentrums Mörfelden und die damit verbundene Auslagerung in den Wasserturm sowie die dortigen Container. Einzelne Maßnahmen können dort nicht stattfinden (z.B. Skatecontest), für andere Angebote fehlt eine Vergleichsbasis, da z.B. der Offene Treff an einem anderen Ort stattfindet. Dennoch werden die statistischen Daten erhoben ohne sie jedoch mit der Besucherresonanz der vergangenen Jahre zu vergleichen. Die diesbezüglichen Zielvereinbarungen werden vorübergehend "auf Eis" gelegt.

Mit Streetwork ist ein neues Arbeitsfeld mit 3 Zielvereinbarungen hinzugekommen.

Bei verschiedenen Präsentationen unserer Zielvereinbarungsstruktur in anderen Jugendeinrichtungen im Jahr 2010 wurde deutlich, dass die Steuerung der sozialen Dienstleistung Jugendförderung andernorts noch stark der "wohlmeinenden Absicht" und der absichtlich diffusen Beschreibung der sozialen Tätigkeit verhaftet ist ("Wir wissen schon, was für unsere Jugendlichen gut ist!"). Die Wirkung der eigenen Arbeit wird eher mit Meinungen als mit Daten belegt. Hier herrscht weiterhin Nachholbedarf für die Profession der Sozialarbeit. Es gibt jedoch auch Beispiele, die einzelne Bereiche wie z.B. die Bedarfsanalyse (repräsentative Jugendbefragung) beispielhaft umgesetzt haben und die als Vorbild dienen können.

Die hier nur ansatzweise skizzierte Elemente einer Organisationsentwicklung in der Jugendförderung erzielt so eine im Ressourcenverbrauch (Finanzen, Arbeitszeit) effiziente und in der pädagogischen Wirkung effektive Ausgestaltung des Angebotes der Jugendförderung in Mörfelden-Walldorf. Sie trägt so bei zu einem kostenbewussten Umgang mit städtischen Haushaltsmitteln und öffnet die Jugendförderung für eine kontinuierliche Ausrichtung an den wechselnden Bedürfnisse und Bedarfen ihrer jugendlichen Kunden. Sie trägt so dem Spezifikum des Verhältnisses von Jugendförderung und jugendlichem Klientel Rechnung dem Prinzip der Freiwilligkeit des Kontaktes.

Rückmeldungen und Anregungen für die weitere Diskussion sind herzlich willkommen.

Für die Jugendförderung

Heimo Boschert
Mörfelden-Walldorf im März 2011